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Montag, 18.02.2019 - 17:36 Uhr

"Helfen bedeutet Menschlichkeit": AWO-Wohnhaus Höver wird geschlossen

Das Team der AWO im Wohnhaus Höver (von links): Rabia Kuru, Gülten Dündar, Hassan Ibrahim Omar und Osman Dafallo. Es fehlt Albagir Karamella Al Nure.Aufn.:

HöVER

"Wir haben wertvolle Arbeit geleistet und vielen Menschen geholfen, hier anzukommen und sich zurecht zu finden", sagt Rabia Kuru, Mitarbeiterin der AWO Region Hannover im Wohnhaus für Geflüchtete in Höver. Die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge wird in Kürzer aufgelöst und die zehn verbliebenen Bewohner woanders untergebracht. Die AWO hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 150 Geflüchtete in dem ehemaligen Hotel "Zur Linde" betreut. Dazu gehörte auch eine innovative Herangehensweise: Die AWO stellte Mitarbeitende ein, die selbst Geflüchtete sind. "Wir haben sie wegen ihres extrem hohen Engagements und ihrer Kompetenzen eingestellt", sagt Gabriele Schuppe, Fachbereichsleiterin Qualifizierung-Bildung-Teilhabe bei der AWO.

 

Einer von ihnen ist Hassan Ibrahim Omar. Der 35-Jährige flüchtete 2014 aus dem Sudan - als Oppositioneller war sein Leben in Gefahr. Über Bayern und Braunschweig kam er zunächst nach Lehrte und lernte Deutsch in einem Kurs der AWO, nebenbei arbeitete er als Freiwilliger in der Flüchtlingsunterkunft Manskestraße. "Ich wollte anderen Menschen helfen - ich wollte etwas zurückgeben, weil uns auch geholfen wurde", beschreibt Omar seine Beweggründe. "Und ich wusste, wie schwer es ist, als Flüchtling hier anzukommen." Nach drei Monaten stellte ihn die AWO als Assistenten der Sozialarbeiter ein.

 

Sein Kollege Osman Dafallo kommt ebenfalls aus dem Sudan. Zunächst flüchtete er nach Libyen, wo er - was in dem Land üblich ist - grundlos im Gefängnis landete. Ein Bauunternehmer kaufte ihn aus dem Gefängnis, monatelang habe er seine "Schuld" abarbeiten müssen, bevor er frei war und die Reise nach Deutschland antrat. Auch der 33-Jährige arbeitete erst monatelang freiwillig in der Flüchtlingshilfe der AWO, bevor er als Assistent eingestellt wurde. Andere zu unterstützen sei für ihn selbstverständlich. "Helfen bedeutet für mich Menschlichkeit", sagt Omar. Er und sein Kollegen begleiteten die Geflüchteten bei Behördengängen, bei der Organisation des Alltags und sie waren Bindeglied zu Sozialarbeitern. "Manche deutsche Wörter gibt es im Arabischen gar nicht - die Sprachbarrieren sind hoch", sagt Omar. Schuppe lobt die Arbeit der beiden: "Mit Engagement, praktischem Verständnis und viel Empathie haben sie den Geflüchteten geholfen und die Sozialarbeiter in ihrer Arbeit unterstützt. Ohne sie wäre der unbürokratische und schnelle Aufbau unserer Wohnhäuser in Lehrte, Höver und Gleidingen nicht möglich gewesen."

 

Mittlerweile kommen kaum noch Flüchtlinge nach Deutschland, viele Gemeinschaftsunterkünfte schließen. Ende Februar läuft der Vertrag mit den beiden Assistenten aus. Omar und Dafallo haben beide die gleichen Ziele: Sie wollen die erforderlichen Sprachzertifikate erwerben, um eine Ausbildung zu beginnen. Omar möchte Einzelhandelskaufmann werden, Dafallo KfZ-Mechaniker. "Autos zu reparieren ist mein Hobby", sagt Dafallo, der bereits in einem Herkunftsland in einer Werkstatt gearbeitet hat, mit strahlenden Augen. Doch beide vermissen ihre Familie. Omar hat seine Frau und seine beiden Kinder seit 2010 nicht gesehen, über regelmäßige Telefonate halten sie sich auf dem Laufenden. Sie leben in Tschad, einem Nachbarland des Sudan, in einem Flüchtlingslager. "Ich hoffe, dass ich sie nachholen kann, wenn ich wieder Arbeit habe", sagt Omar. Er und Dafallo werden nachdenklich, wenn sie über ihre Familie und ihr Herkunftsland sprechen. "Wir fühlen uns in Deutschland sehr wohl, aber wir vermissen den Sudan", sagt Omar.

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