Burgdorf
Mittwoch, 17.10.2018 - 18:08 Uhr

"Gift. Eine Ehegeschichte" am 16. November im Theater am Berliner Ring

Ein bewegendes Portrait über zwei Menschen, die erst ihr Kind und dann sich selbst verloren haben

Moritz Nikolaus Koch und Katharina Wilberg in "Gift. Eine Ehegeschichte".Aufn.: TBehind-Photographics/Theater für Niedersachsen

BURGDORF

Am Freitag, 16. November 2018, laden der VVV und die Stadt Burgdorf zum zweiten Saison- Gastspiel des Theaters für Niedersachsen im Theater am Berliner Ring ein. Auf dem Spielplan steht das Schauspiel "Gift. Eine Ehegeschichte" von Lot Vekemans. In dem von Gero Vierhuff inszenierten Zwei-Personen-Stück spielen Katharina Wilberg und Moritz Nikolaus Koch die Hauptrollen. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr. Zu einer kostenfreien Einführung in das Bühnengeschehen sind die Zuschauer um 19.30 Uhr eingeladen. Theaterkarten gibt es bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Telefon 05136/1862, und unter Opens external link in new windowwww.vvvburgdorf.de. VVV-Mitglieder erhalten Ermäßigungen.

 

Zur Bühnenhandlung: Nach mehr als zehn Jahren kommen ein Mann und eine Frau zusammen, an dem Ort, wo ihr Sohn Jakob begraben liegt, der bei einem Unfall ums Leben kam. Bei dem ersten Wiedersehen nach einer langen Zeit der Funkstille brechen sie endlich ihr Schweigen und reden über das Unfassbare, die Trauer, die Hilflosigkeit, das Leben danach. Beide haben verschiedene Wege eingeschlagen, mit dem Tod des Kindes umzugehen. Er ist nach Frankreich gegangen und hat von vorn angefangen. Mittlerweile lebt er in einer neuen Beziehung. Seine Partnerin Valérie erwartet demnächst ein Kind von ihm. Die verlassene Ehefrau ist zurück geblieben in dem gemeinsamen Haus, fühlt sich einsam in ihrer Trauer und kann den Gedanken an Veränderung nicht ertragen. Als der Sohn im Krankenhaus starb, stand für sie "die Welt still" und hat sich seitdem nicht weiterbewegt.

 

Der Grund ihres Treffens ist ein Brief, der die Umbettung des Kindes ankündigt, da man auf dem Friedhof giftige Substanzen im Boden gefunden hat. Sie stammen wahrscheinlich aus einer benachbarten Fabrik. Insgesamt müssen 200 Gräber verlagert werden. Während die beiden darauf warten, dass sich endlich jemand von der Friedhofsverwaltung sehen lässt, beginnt ein langsamer, hürdenreicher Annäherungsprozess des Elternpaares. Denn der Schmerz hat eine nur schwer überbrückbare Kluft gerissen...

 

Eine intensive Momentaufnahme

Das Schauspiel ist eine intensive Momentaufnahme eines Paares, dem das schlimmstmögliche Unglück widerfahren ist: Der Verlust des einzigen Kindes. Was zunächst als zaghafte, hilflose Kommunikation mit unfreiwillig komischen Momenten beginnt, entwickelt sich zu einem intensiven Gespräch und einer echten Begegnung. Zwei Menschen auf der Suche nach einem Weg, die Vergangenheit zu akzeptieren, in gemeinsamer Erinnerung Ruhe zu finden und Vertrautes wieder zuzulassen.

 

Direkt ins Herz

"Mit ihrem wunderbaren Dialog über zwei Menschen, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander, trifft Lot Vekemans direkt ins Herz", heißt es in der Jurybegründung für den niederländischen "Taalunie Toneelschrijfprijs", den Lot Velemans 2010 für ihr ein Jahr zuvor uraufgeführtes Stück erhielt. Das Schauspiel avancierte schon nach kurzer Zeit zu einem Welthit. Allein in Deutschland gab es Aufführungen an über 40 Bühnen, weltweit in 21 Ländern, darunter Produktionen in Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Montevideo, Bloemfontein, Thessaloniki und Shanghai.

 

"Bewegungsmelderin der Seelenkatastrophen"

Die niederländische Autorin Lot Vekemans schrieb 1998 ihr erstes Drama "Ein nagelneuer Tag". Weitere Stücke von Vekemans sind "Truckstop" (2002), "Schwester von" (2004), "Judas" (2007) und "Falsch" (2013). Ihr neuestes Stück "Momentum" ist seit dem Oktober 2018 in Münster zu sehen. 2012 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Een bruidsjurk uit Warschau", der 2016 in der deutschen Übersetzung "Ein Brautkleid aus Warschau" erschienen ist und eine Nominierung für den Anton-Wachter-Preis erhielt. "Lot Vekemans Dialoge sind einfach, direkt und emotional", urteilte das Kuratorium des Ludwig-Mülheims-Preises, den die Autorin 2016 erhielt. Sie sei eine "Bewegungsmelderin der Seelenkatastrophen".

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