Isernhagen
Donnerstag, 11.10.2018 - 20:25 Uhr

Lärm oder Menschenleben? Sympathiewelle für Feuerwehrmann aus der Region

Mit hydraulischen Rettungsgerät wurde der schwer verletzte Fahrer eines Lkw gestern aus seinem Fahrzeug auf der A7 gerettet.Aufn.: Feuerwehr

ALTWARMBüCHEN/REGION

Ein Feuerwehrmann aus Altwarmbüchen hat auf Facebook ein Lawine losgetreten, die selbst ihn überraschte. Mehr als 4000 Likes hat er für einen Post erhalten. Der Ausgangspunkt: Am gestrigen Mittwoch, 10. Oktober 2018, waren er und seine Kameraden zu einem schweren Verkehrsunfall auf der A7 an der Anschlussstelle Großburgwedel gerufen worden. Fünf Lkw waren ineinander geschoben worden, weil ein Lkw-Fahrer ein Stauende übersehen hatte. "Lkw Unfall, eingeklemmte Person" hieß es in der Einsatzmeldung und wie auch die anderen ehrenamtlichen Helfer der Feuerwehren aus seiner Ortsfeuerwehr Altwarmbüchen, aus Ortsteilen Isernhagens wie auch Großburgwedel eilten zu den Feuerwehrhäusern, um ein Menschenleben zu retten.

 

Doch der Feuerwehrmann Stefan Karsten, der unten stehenden Text auf Facebook veröffentlichte, nahm den Einsatz zum Anlass, die Menschen "wachzurütteln". Schon lange hadert er mit denjenigen, die seine "Arbeit", die er ehrenamtlich für das Wohl der Mitmenschen wahrnimmt, als störend empfinden. Bereits bei der Jahreshauptversammlung seiner Ortsfeuerwehr vergangenen Jahres hatte er beim Schlusswort eine Lanze für sich und "seine" Ortsfeuerwehr und alle Freiwilligen Feuerwehren gebrochen, als er sich öffentlich gegen diejenigen stellte, die sich über Beeinträchtigungen durch die Feuerwehrarbeit beschwerten: Lärm durch das Prüfen der motorbetriebenen Aggregate führte er Anfang 2017 an, als er von Nachbarn der Feuerwache - erfolglos - angezeigt worden war. Aber hierzu gehört auch die derzeitige Diskussion derüber, ob ein Martinhorn in der Nacht sein muss. Ob der Lärm sein muss, damit anderen in einer zum Teil lebensbedrohlichen Lage schnell geholfen werden kann. Lärm, der entsteht, wenn er als Gerätewart im Feuerwehrhaus alles überprüfen muss, damit die Einsatzmittel im Einsatz funktionieren.

 

In diese Kerbe schlägt der Altwarmbüchener Feuerwehrmann, der in seiner Funktion als Gerätewart nicht nur die Einsatzbereitschaft der Einsatzmittel zu verantworten hat, sondern zudem zusätzliche Stunden im Gerätehaus verbringt - in seiner Freizeit. "Bei dieser Diskussion verstehe ich die Welt nicht mehr", so Stefan Karsten auf Anfrage und fügt hinzu: "Immerhin machen wir das freiwillig für andere".

 

Freiwillig, für andere, ohne Geld, um am Ende beschimpft zu werden?! Egal ob an der Einsatzstelle (weil die Straße gesperrt ist) oder in sozialen Medien (weil Feuerwehr manchmal laut ist). Der Lkw-Fahrer auf der A7 wurde durch sie gerettet. Schwer verletzt, aber immerhin am Leben, weil es die Freiwilligen Feuerwehren gibt und die Menschen dahinter: Freiwillig - aber dennoch professionell. Und weil sie sich in ihrer Freizeit auch darum kümmern, dass die Einsatzbereitschaft ihrer Ortsfeuerwehr jederzeit gewährleistet ist - auch wenn es Lärm macht.

 

Der Erste Hauptfeuerwehrmann Stefan Karsten regt sich über Argumente wie die Behinderungen oder den Lärm auf. In den Augen seiner, aller, Feuerwehrkräfte, zu Recht, wie sein Post auf Facebook zeigt, den wir hier im Wortlaut wiedergeben:

 

"Leute regen sich über dich auf, weil du monatlich die Gerätschaften prüfst, Leute reden von teurem Spielzeug für Erwachsene, Leute diskutieren über Sondersignal in der Nacht, Leute regen sich über die Alarmierung mit Sirene auf und fragen, ob das sein muss, Leute bilden keine Rettungsgasse, obwohl 1 Min. vorher ein Streifenwagen durchgefahren ist, Leute filmen das Leid anderer wenn sie eingeklemmt über dem Lenkrad im Fahrerhaus hängen, Leute pöbeln dich an weil du die Straße sperrst, Leute nervt es wenn Abends beim Übungsdienst die Aggregate zur Ausbildung laufen...

 

HÖRT AUF DAMIT!

 

Es kommt der Moment wo wir das Wissen anwenden, die Geräte einsetzen, wir die 20cm in der Rettungsgasse brauchen um weiter zu kommen, die Geräte funktionieren müssen, um GENAU in DIESEM EINEN MOMENT DAS LEBEN DES EINGEKLEMMTEN ZU RETTEN!

 

Seid stolz auf das Ehrenamt in Deutschland, unsere Werte und das es Leute gibt die für lau im Fall der Fälle da sind! Hört endlich auf zu meckern, bildet ne' Gasse und regt euch nicht über Sondersignal oder die monatliche Prüfung der Gerätschaften auf! Vielleicht kommt der Moment, wo es drauf ankommt und dann sind WIR für euch da!

 

Ps: Danke an alle an der Rettung beteiligten für die gute Zusammenarbeit und die Reibunglose Rettung des eingeklemmten Patienten. Das ist der Grund warum ich bei der Feuerwehr bin! "

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