Ortsrat Schillerslage: Viele Themen bewegen den Burgdorfer Ortsteil

Die Sanierung der Mehrzweckhalle in Schillerslage wird weiter auf sich warten lassen. Ortsbürgermeister Cord Reißer (CDU) drängte bei der Ortsratssitzung am gestrigen Donnerstag, 5. Februar 2026, zwar darauf, Förderanträge zu stellen und das Thema voranzutreiben. Doch Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn machte deutlich: Weder personelle Kapazitäten noch finanzielle Mittel seien vorhanden, um das Projekt anzugehen. Reißer weiß, dass die Halle keine hohe Priorität hat, will sie aber weiter auf der Tagesordnung behalten. Rund zehn Zuschauer verfolgten die Sitzung im Schützenheim, bei der auch Stadträtin Silke Vierke und Klimamanager Volker Krüger anwesend waren.
Förderanträge stellen? „Macht keinen Sinn“
Reißer drängte darauf, dass die Stadt Förderanträge für die Mehrzweckhalle stellt, um Gelder aus der sogenannten Sportmilliarde zu bekommen. „Ich würde es begrüßen, wenn wir in den nächsten zwei, drei Runden entsprechende Gelder einwerben können. Da steht die Politik und der Rat in der Pflicht, das Thema voranzutreiben“, forderte er. Er verwies darauf, dass für Otze eine neue Sporthalle geplant sei: „Können wir da nicht mit drunter, wenn wir es für Otze machen? Warum nicht gleichzeitig die anderen Hallen mit betrachten?“
Reißer räumte aber auch ein: „Ich kenne die Priorität der Halle, dass sie nicht oben steht.“ Dennoch solle das Thema auf der Tagesordnung bleiben, „um bei den Planungen und Sanierungen im Gespräch zu bleiben“ Das Thema beschäftige den Ortsrat schon mehrere Jahre, es habe mittelerweile „einen Bart“, so Reißer, aber: „Wir wollen nicht in Vergessenheit geraten.“
Doch Pollehn erteilte dem Vorstoß, jetzt schon Förderanträge zu stellen, eine klare Absage: „Es macht keinen Sinn, dann Gelder zu bekommen und sie dann nicht ausgeben zu können, weil das Projekt aufgrund anderer Prioritäten nicht gestartet werden kann. Projekte sollten so weit sein, dass sie umgesetzt werden können.“ Wenn nun andere Projekte wegen Fördergelder vorgezogen werden würden, würde dieses die Projektliste durchschießen, machte Pollehn deutlich.
50 bis 70 Projekte, jahrzehntelanger Sanierungsstau
Der Bürgermeister machte deutlich, vor welchen Herausforderungen die Stadt steht: „Wir haben 50 bis 70 Projekte und sind in einem jahrzehntelangen Sanierungsstau.“ Wenn Projekte wie Otze oder Schillerslage eingeschoben würden, müssten anderen Projekten Aufträge weggenommen oder die Kapazitäten erhöht werden. „Einarbeitung dauert bis zu einem Jahr. Es ist nicht so einfach: Hier haben wir das Geld und werden dann tätig.“
Auch wenn Planungsbüros eingeschaltet werden würden, so könnten diese nicht 100 Prozent der Arbeit übernehmen. „Ohne Personen unserer Seite ist das nicht zu machen. Überwachung und Steuerung müssen bei der Verwaltung liegen. Eventuell muss europaweit ausgeschrieben werden – auch wenn es ein Planungsbüro gibt, muss ich es begleiten“, erklärte der Verwaltungschef.
Wenn die Prioritätenliste geändert werde, würden Mitarbeiter abgezogen und Gewerke sich ändern. „Es sind keine Kapazitäten für die Themen Otze und Schillerslage vorhanden.“
Reißer : „Bin nicht ganz zufrieden“
Reißer blieb hartnäckig: „Man könnte dennoch Förderanträge stellen.“ Auf Pollehns Einwand, dass die Förderung die Kapazitätsprobleme verschärfen würde, entgegnete er: „Habe ich verstanden, dann lasst uns doch einfach mal schauen. Wenn wir die Gelder bekommen, könnten wir nochmal im Detail drüber reden. Es ist Unsinn, Geld, das auf der Straße liegt, nicht mitzunehmen.“
Pollehn konterte, dass man nicht einfach auf Zuruf etwas machen könnte. Am Ende des Austauschs resümierte Reißer: „Ich bin nicht ganz zufrieden mit der Antwort, lassen wir es erstmal so stehen.“
Halle als Notunterkunft vorgehalten
Die Stadt hält die Halle zudem als Puffer für Geflüchtete vor. Pollehn erklärte, die Halle als Notunterkunft vorzuhalten. „Das favorisieren wir nicht“, so Pollehm, „aber für den Fall, dass morgen kein kleiner Bus, sondern ein großer Bus ankommt, haben wir Planungen dafür vorgenommen.“ Im Moment sei es etwas entspannter, die Halle sei bautechnisch vorbereitet gewesen. „Das Thema sollte auf der Tagesordnung bleiben, weil sich Dinge ändern. Die Sorgen der Eltern habe ich ernst genommen.“
Otze hat Vorrang bei Sporthallen-Sanierung
Silke Vierke erklärte, warum Otze bei den Sporthallen Vorrang hat: „In Otze haben wir die Situation, dass die Sporthalle Teil des Projekts ‚Ausbau der Grundschule‘ ist. Es geht um die Ablösung der Containerlösung.“ Das Ganze – Schule wie auch Sporthalle – sei ein Gesamtprojekt. „Wir können die Sporthalle nicht vorweg machen, wenn wir nicht wissen, wo wir die Schule verorten können. Wir wollen eine gewisse Planreife erreichen, um Anträge stellen zu können.“
Zur Mehrzweckhalle in Schillerslage sagte sie: „Es muss ja auf mittlerer Sicht was passieren, wir sind uns einig, da muss was passieren.“ Auf Reißers Frage, ob man vielleicht im nächsten Jahr so weit wäre, gab es keine konkrete Antwort.
113 Bewerbungen für Baugebiet Hornweg
Einen erfreulicheren Tagesordnungspunkt bildete das Baugebiet Hornweg: 113 Bewerbungen gingen ein, 18 wurden nicht zugelassen. „Es gibt keine Bewerbungen von Feuerwehrleuten“, berichtete Vierke. Die Grundstücke werden in drei Gruppen vergeben: Drei Baugrundstücke für Bewerber aus dem Ortsteil (zwei Bewerbungen), drei Grundstücke für Familien mit Minderjährigen (33 Bewerbungen, darunter neun mit Arbeit oder Betrieb in Burgdorf) und die sonstigen Bewerber (60 Bewerbungen, darunter acht mit Arbeit oder Betrieb in Burgdorf). Das Losverfahren wird von einem Notar durchgeführt.
Haushalt: Minus 33 Millionen Euro
Zum 1. Nachtragshaushalt 2026 berichtete Vierke von den „heftigsten Ergebnissen“: Minus 33 Millionen Euro im Jahr 2026. Bei den Einwohnern löste das Kopfschütteln aus. „Das Jahresergebnis verschlechtert sich, ohne dass wir viel dazutun: Einkommensteuerzuweisungen, Regionsumlage und so weiter“, erklärte sie. Bei den Investitionen steht am Ende ein Minus von 23,9 Millionen Euro.
Für Schillerslage sind im Ergebnishaushalt für die Kita leichte Veränderungen bei Sach- und Dienstleistungen (plus 1.000 Euro) vorgesehen. Investiv sind für Tiefbaumaßnahmen im Außenbereich 65.000 Euro veranschlagt – „nur die Planungsleistungen, dann muss es noch gebaut werden“, so Vierke. Weitere 5.000 Euro sind im Kita-Bereich für weitere investive Maßnahmen im städtischen Haushalt hinterlegt.
Glockenturm: Stadt hofft auf Spenden
Zum Glockenturm neben der Kapelle, der derzeit gesperrt ist und deren Glocke nicht geläutet werden darf, berichtete Vierke: „Es gibt den Wunsch, dass er wieder so hergestellt wird, neu, wie er einmal war.“ Aktuell sei ein Statiker beauftragt zu prüfen, ob das Fundament weiterverwendet werden kann. „Wir müssen das Ergebnis abwarten, das ist sehr entscheidend.“ Wenn nur der Glockenturm neu gemacht wird, seien 50.000 Euro veranschlagt, sofern der Statiker sein Okay gibt. Wenn das Fundament nicht tragfähig ist, seien die Kosten deutlich höher.
Vierke zeigte ein Bild der Tafel der Spender von der letzten Sanierung und machte deutlich: „Es fällt uns schwer, alles zu finanzieren. Ich würde mich freuen, wenn es wieder ine private Aktion geben würde, um Spender gewinnen zu können, wo wieder der Name auf dem neuen Glockenturm steht. Jeder Euro, der nicht aus dem städtischen Säckel ausgegeben wird, hilft uns.“
Radweg zu schmal, aber keine Lösung in Sicht
Reißer sprach das Problem des Radwegs zwischen Burgdorf und Schillerslage an: „Er hat zu geringe Breite, um ihn als Radweg zu benutzen. Man muss Schrittgeschwindigkeit fahren, dort wo Fußgänger sind. Die Leute würden auf der Straße fahren. Die S-Kurve – wenn ich da langfahre oder ein Kind…“ Er fragte, ob es möglich sei, das Stück kurzfristig so zu ertüchtigen, dass es als Fuß- und Radweg genutzt werden könnte.
Vierke erklärte, dass die Benutzungspflicht aufgehoben worden sei: „Mit Verkehrsbehörde und Polizei wurde besprochen. Es wurde gegen die Pflicht geklagt und Recht gegeben.“ Hintergrund: Ein Radfahrer wollte lieber die Straße benutzen und stellte fest, dass der kombinierte Geh- und Radweg zu schmal ist. Die Benutzungspflicht des Weges musste daher aufgehoben werden. „Wir können keine Benutzungspflicht anordnen. Wer auf der Straße fahren möchte, darf das auch“. Auf dem kombinierten Fuß- und Radweg müsse gegenseitig Rücksicht genommen werden.
Reißer: „Es sind 50 Zentimeter, die da fehlen. Ab dem Brückenbau wird’s breiter. Es ist eine unbefriedigende Situation.“
Kritik an Photovoltaik auf Ackerflächen
Zum Thema Windkraft und Photovoltaik äußerte sich Reißer differenziert: „Wir haben hier privilegierte Flächen ausgewiesen bekommen im Regionalen Raumordnungsprogramm. Wir sind ja auch für diese neuen Windräder. Wird haben auch nichts dagegen zu sagen, dass die regenerativen Energien ausgebaut werden.“ Allerdings sehe der Ortsrat „den Flächenverbrauch durch PV-Anlagen durchaus kritisch“.
Der Ortsbürgermeister erläuterte: „Wir verlieren Acker- und Weideflächen, dagegen kann man unter Windanlagen weiterarbeiten.“ Artenvielfalt, Flora und Fauna seien bei Großflächen-PV gefährdet. Der Ortsrat wünsche sich, „dass die Stadt Burgdorf Regelungen schafft, dass wenn solche Flächen genutzt werden, dies sehr maßvoll geschieht. Wir werden es nicht verhindern können, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel hergeben.“ Reißer appellierte an die Stadt: „Wie wäre es, erst Flächen benutzen, die schon versiegelt sind: Dächer, Parkplätze, Deponie. Diese Denkanstöße will ich mitgeben.“
Keine E-Ladesäulen geplant
Klimamanager Volker Krüger berichtete, dass es keine Planungen für öffentliche E-Ladestationen in Schillerslage gebe. „Die Stadtwerke haben keine Absicht. Die meisten laden zu Hause oder beim Einkaufen. Die Frage ist immer, wann rechnet sich eine Ladestation.“ Die im Stadtgebiet vorhandenen Ladesäulen seien unter Kapazität ausgelastet. „Die Stadtwerke würden sich freuen, wenn sie mehr genutzt werden würden.“ Bei geringer Nutzung lohne sich ein Ausbau nicht.
Reißer konterte: „Es gibt ja auch den ein oder anderen Besucher. Wenn es keine Ladestation gibt, so ganz unsinnig wäre es ja nicht, wenn es eine Möglichkeit gäbe. Man kann nicht sagen, alle sollen E-Auto fahren, und dann gibt’s keine Ladestation.“ Pollehn ergänzte: „Die Ausstattung ist sehr teuer, ist nicht so rentabel. Sie muss lange Zeit in Anspruch genommen werden.“ Außerdem wisse er aus eigener Erfahrung, dass selbst wenn man irgendwo zu Besuch ist, man sich im Umfeld umschauen würde. In der Weserstraße und im Gewerbegebiet Nord-West gebe es Lademöglichkeiten.
Kita-Kinder über die ganze Stadt verteilt
In der Einwohnerfragestunde wurde das Thema Kita-Plätze angesprochen: Ob es eine Quote wie bei der priorisierten Vergabe von Baugrundstücken an Feuerwehrkräfte gebe, um mehr Schillerslager Kinder in der Kita Schillerslage unterzubringen? Pollehn erklärte, dass die Kinder über die gesamte Stadt verteilt seien. „Entscheidend ist oft die Verbindung zwischen Kita und Arbeitsstelle.“ Die Situation werde sich entspannen. Im Baugebiet Aue Süd habe es gerade die Grundsteinlegung für eine neue Kita gegeben. „Das entlastet sehr, fünf Gruppen à 25 Kinder. Die Geburtenrate geht runter, wir werden in die Normalität kommen“, so Pollehn.
Auch Glasfaser war Thema: Die Telekom habe für Schillerslage keinen Ausbau vorgesehen, auch nicht wegen des Baugebiets Hornweg.
Nordland-Krimis: Sensibilisierung gelungen
Zu Beginn der Sitzung erwähnte Pollehn den Krimi „Die Vier Spürnasen und das Geheimnis der mysteriösen Unterhosen“ von Roald Garborg, bei dem es um die mysteriösen XL-Unterhosen im Schillerslager Pumpwerk geht, die schon für manche Störung und Verstopfung gesorgt haben. „Das geheimnis ist gelüftet“, ließ Pollehn mit einem Schmunzel wissen. „Es war ein schönes Schmökern. Sehr nett und lesenswert gemacht“, so Pollehn. Cord Reißer kommentierte: „Wir wollten die Bürger wegen der verstopften Pumpen sensibilisieren. Funk und Fernsehen haben berichtet, und nun haben wir auch noch ein Buch bekommen. Auftrag erfüllt.“ Reißer weiter: „Wir hatten mittlerweile das eine oder andere Fest, es ist nichts passiert. Das Winterschützenfest steht an. Wir tun, was wir können. Und stellen auch neue Abfalleimer auf“, so Reißer mit einem Augenzwinkern.
