Liebe Wedemärkerinnen und Wedemärker,
„Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.“
Mit diesem Gedanken des Philosophen Karl Jaspers grüße ich Sie herzlich zum Beginn des neuen Jahres 2026. Miteinander reden, einander zuhören, einander respektieren – das sind leider keine Selbstverständlichkeiten mehr. Und doch bilden sie die Grundlage für ein gutes, friedliches Zusammenleben – in der Wedemark ebenso wie darüber hinaus.
Das vergangene Jahr hat gezeigt, wie stark globale Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Polarisierung unseren Alltag prägen. Verunsicherung wächst, Debatten verhärten sich, schnelle Urteile ersetzen oft das Zuhören. Umso wichtiger ist es, im Gespräch zu bleiben, den Standpunkt des Gegenübers verstehen zu wollen. Wer miteinander spricht, nicht um zu opponieren, sondern um gemeinsam getragene Lösungen zu finden, kann Unterschiede aushalten, Verständnis entwickeln und Brücken bauen – statt sich zurückzuziehen oder Konflikte weiter zu verschärfen.
Man muss nicht immer einer Meinung sein: Respekt bedeutet, Unterschiede auszuhalten und zu akzeptieren. Er zeigt sich auch darin, den gemeinsamen Weg nicht aus den Augen zu verlieren – auch dann, wenn Diskussionen kontrovers verlaufen, auch dann, wenn man persönlich eine andere Sichtweise hat. Diese Haltung ist dort umso wichtiger, wo Politik unmittelbar erfahrbar wird: in unserer Gemeinde. Und dies ist keine einseitige, bei Politik einzufordernde Haltung, sondern muss von allen Teilen unserer Gesellschaft gelebt werden. Die Städte und Gemeinden sind das Fundament unseres Staates – hier entscheidet sich, ob Demokratie funktioniert und Vertrauen in das Funktionieren des Staates wächst.
Doch unsere Kommunen stehen bundesweit vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Auch wenn es uns in der Wedemark vergleichsweise noch recht gut geht, spüren wir überdeutlich, dass unsere finanziellen Spielräume immer enger werden. Es fällt auch uns zunehmend schwerer, Aufgaben und Erwartungen zu erfüllen. Wenn Bund und Land handlungsfähige Kommunen wollen, braucht es mehr als befristete Hilfen – es braucht eine verlässliche, strukturelle Finanzierung. Nur so bleibt unser Gemeinwesen langfristig stabil. Das Sondervermögen für öffentliche Infrastruktur ist ein richtiger Schritt, doch keine nachhaltige Entlastung: Es ermöglicht einmalige Investitionen, hilft uns aber nicht bei den laufenden Kosten. Bereits heute sind die Aufgaben, die wir von Bund und Land auferlegt bekommen, nicht ausreichend finanziert. Das Sondervermögen ist eine einmalige Anschubfinanzierung, keine dauerhafte Entlastung. Die Lage wird sich in den kommenden Jahren dann verschärfen, wenn nicht grundlegend die Finanzarchitektur zugunsten der Kommunen verändert wird.
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen tun wir in der Wedemark alles dafür, unser Lebensumfeld weiterhin lebenswert zu gestalten. Verwaltung, ehrenamtliche Kommunalpolitik sowie die vielen Engagierten in Vereinen, Verbänden und Initiativen verfolgen ein gemeinsames Ziel: den sozialen Zusammenhalt vor Ort zu stärken.
Ein Beispiel für erfolgreiches gemeinsames Handeln ist die Unterbringung, Versorgung und Integration von Geflüchteten. Ehrenamtliche – etwa im Verein Miteinander Wedemark –, Mitarbeitende in der Sozialarbeit und der Verwaltung sowie in den Schulen Tätige leisten Herausragendes, um diese Aufgabe zu bewältigen. Bei allen Herausforderungen dürfen wir mit Dank, Respekt und auch Stolz auf das Erreichte blicken. Die Veranstaltung zur Begrüßung der neu eingebürgerten Menschen aus der Wedemark hat gezeigt, wie gut Integration gelingt, wenn wir zusammenarbeiten.
Zudem konnten wir die geflüchteten Menschen, die die Notunterkunft in der Jugendhalle bewohnen mussten, in Wohnungen unterbringen. Das verbindet Menschlichkeit und Pragmatismus: Die Schutzsuchenden sind würdig untergebracht und unsere Jugendlichen bekommen Anfang 2026 ihre Begegnungsstätte wieder. Mein Dank gilt allen, die gemeinsam an diesem Ziel gearbeitet haben. Der Mangel an Wohnraum bleibt dennoch eine der zentralen Herausforderungen der nahen Zukunft. Dabei geht es keinesfalls nur um Zuzug von außerhalb. Der demografische Wandel fordert andere Wohnformen; der anhaltende Trend zu Single-Haushalten sorgt für geänderte und steigende Bedarfe ohne Bevölkerungszuwachs.
2025 konnte ich auch die Verwaltungsspitze der Gemeinde wieder komplettieren. Mit Florian Lübeck als Erstem Gemeinderat und Axel Linke als Gemeinderat habe ich nunmehr zwei hochkompetente Verwaltungsexperten an meiner Seite. In Anbetracht der riesigen Herausforderungen und vielen neuen Aufgaben für die Gemeinde ist es gut, dass wir nun wieder zu Dritt sind. Jeder von uns dreien leitet einen eigenen Verwaltungsbereich. An der Verwaltungsspitze einer Gemeinde wie der Wedemark zu arbeiten, heißt, täglich Verantwortung auf höchstem Niveau zu übernehmen. Es geht um strategische Entscheidungen, rechtliche Sicherheit, finanzielle Steuerung und um Führung in komplexen Strukturen. Repräsentation gehört dazu – sie macht aber nur einen sehr kleinen Teil dieser Aufgabe aus.
Unsere Handlungsfähigkeit zeigt sich auch in Bereichen, die oft weniger Beachtung finden, ohne die ein Gemeinwesen aber nicht funktioniert – etwa bei Infrastrukturvorhaben wie dem Neubau der Kläranlage, in regionalen Kooperationen oder Projekten mit überörtlicher Bedeutung.
Besonders stolz bin ich auf das Engagement unserer Feuerwehren. Sie stehen beispielhaft für den ehrenamtlichen Einsatz für die Gemeinschaft. Dieses Engagement verdient Anerkennung und Respekt. Darum stand es auch außer Frage, trotz des angespannten Haushaltes, für unsere Feuerwehren auch in 2025 modernste Ausstattung zu beschaffen. Ein Meilenstein wird im kommenden Jahr das gemeinsame Feuerwehrhaus für Meitze und Gailhof sein – der erste gemeinsame Standort zweier Ortswehren. Damit schaffen wir ein zukunftsweisendes Modell, das Einsatzfähigkeit, Ausstattung und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen stärkt.
Klimaschutz bleibt die große Herausforderung unserer Zeit – auch und gerade vor Ort. Die Wedemark geht diesen Weg entschlossen weiter: mit dem Ausbau erneuerbarer Energien, der kommunalen Wärmeplanung, der Umrüstung der Straßenbeleuchtung, Mobilitätsangeboten wie Carsharing und unserem Vorreiterkonzept für Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Klimaschutz gelingt nur gemeinsam – und er beginnt vor Ort, hier bei uns.
In den vergangenen Wochen habe ich eine persönliche Entscheidung getroffen. Zum verantwortungsvollen Umgang mit politischen Ämtern gehört es, rechtzeitig Perspektiven zu klären. Ich werde bei der Bürgermeisterwahl 2026 nicht erneut kandidieren. Das Amt verlangt neue Ideen, Strategien und ganz viel Elan. Ich habe gemerkt, dass mir das nach über gut 13 Jahren im Dienst zunehmend schwerer fällt. Ich denke, es ist gut für die Gemeindeverwaltung, wenn ein neuer hauptamtlicher Verwaltungschef oder -chefin mit der notwendigen Erfahrung, Führungsstärke und Fachwissen neue Ideen einbringt und gemeinsam mit den mittlerweile über 500 Kolleginnen und Kollegen umsetzt. Bis zur Übergabe an meine Nachfolge freue ich mich auf intensive, engagierte Monate im Amt und auf alles Neue, das vor mir liegt.
Zum Jahreswechsel gilt mein herzlicher Dank allen, die sich Tag für Tag für die Wedemark einsetzen – den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, den Ehrenamtlichen, den Einsatzkräften, den Unternehmerinnen und Unternehmern sowie allen Bürgerinnen und Bürgern, die Verantwortung übernehmen und das Miteinander in unserer Gemeinde mitgestalten.
Lassen Sie uns das neue Jahr mit Zuversicht beginnen. Respekt ist keine Floskel, sondern eine Haltung. Wenn wir sie leben, können wir auch in herausfordernden Zeiten gemeinsam Lösungen finden.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, friedliches und gutes Jahr 2026.
Ihr
Helge Zychlinski


