Burgdorf

Rat lehnt Antrag auf Kunstrasenplatz ab

[BURGDORF]

Der Rat der Stadt Burgdorf hat den Antrag der Ratsfraktion WGS FreieBurgdorfer auf Errichtung eines Kunstrasenplatzes in Burgdorf deutlich abgelehnt. In der Abstimmung votierten sechs Ratsmitglieder für den Antrag und 24 Ratsmitglieder stimmten dagegen. Damit bleibt es vorerst bei den bestehenden Naturrasenplätzen, obwohl aus Sicht der Antragsteller kurzfristig die Chance auf hohe Fördermittel bestanden hätte.

Mit dem Antrag sollte die Verwaltung beauftragt werden, unverzüglich Förderanträge für den Bau eines Kunstrasenplatzes auf einem geeigneten Gelände zu stellen und ergänzend weitere Fördermöglichkeiten, etwa über den Regionssportbund, den Landessportbund oder andere Programme, zu prüfen. Zur Begründung verwies die WGS auf eine nach eigener Darstellung „einmalige Gelegenheit“, bis Mitte Januar bis zu 75 Prozent Förderung zu erhalten.

Rüdiger Nijenhof und Dirk Bierkamp (WGS FreieBurgdorfer) warben dafür, die Förderchance zumindest durch eine fristgerechte Interessenbekundung zu sichern. Bierkamp berichtete von einem konstruktiven Gespräch mit der Verwaltung und betonte, es gebe bei einem solchen Schritt „nur Gewinner“. Es gehe zunächst nur darum, in das Verfahren zu kommen; der Rat könne später immer noch entscheiden, ob das Projekt tatsächlich umgesetzt werde. Nijenhof schlug vor, eine Bedingung in den Beschluss aufzunehmen, wonach ein späterer Ratsbeschluss über die konkrete Umsetzung erforderlich bleibe. Das Ziel sei es, jetzt den Antrag zu stellen, um die erste Tranche nicht zu verpassen.

Unterstützung kam von Michael Fleischmann (parteilos), der sich verwundert zeigte, dass der Vorstoß überhaupt zur Ablehnung stehen könnte. Er verwies auf ganzjährig bespielbare Trainingsflächen, eine Entlastung der Hallenkapazitäten und eine Reduzierung des Pflegeaufwands auf den Rasenplätzen. Aus seiner Sicht sei die Finanzierung im Kern abgesichert, da neben Fördermitteln auch Vereine und Sponsoren eingebunden werden könnten. Er stellte die Frage, warum die Stadt in der Vergangenheit derartige Förderanträge nicht gestellt habe. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass fehlende Kapazitäten in der Stadtverwaltung ein möglicher Grund sein könne.

Auch Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) machte deutlich, dass er den Ansatz prinzipiell für richtig hält. In ihm würden „zwei Herzen“ schlagen: Einerseits bestehe der Wunsch, die Chance zu nutzen, andererseits sehe er offene Fragen zu Gesamtverantwortung und Folgekosten. Diese ließen sich jedoch auch im weiteren Verfahren klären. Ein zustimmender Beschluss zum Antrag würde aus seiner Sicht noch keine endgültige Verpflichtung zum Bau bedeuten, sondern zunächst die Förderoption sichern.

Mehrere Fraktionen äußerten allerdings deutliche Bedenken. Für die CDU kritisierte Tanja Kicza, der Vorstoß sei „ein bisschen ein Schnellschuss“ gewesen. Ein Projekt dieser Größenordnung brauche Zeit, einen abgestimmten Nutzungsplan und eine frühzeitige Einbindung weiterer Vereine. Die bisherige Diskussion, die sich auf drei Vereine konzentriere, werde der Breite des Sports in Burgdorf nicht gerecht.

Die Grünen kündigten an, den Antrag aus ökologischen Gründen abzulehnen. Claudia Baumgarten verwies auf Mikroplastik, problematische Nutzung und Entsorgung sowie die insgesamt aus grüner Sicht „ökologisch schlechteste Lösung“. Statt eines neuen Kunstrasenplatzes sei aus dieser Perspektive eine andere Prioritätensetzung erforderlich.

Für die SPD machte Gerhard Hinz deutlich, dass sich seine Fraktion intensiv mit dem Thema befasst habe. Er verwies auf unterschiedliche Ausführungsvarianten mit Kosten zwischen 600.000 und 1,3 Millionen Euro und erinnerte daran, dass in anderen Kommunen wie Lehrte die Vereine selbst gebaut hätten. In Burgdorf stünden dagegen zunächst Sanierungen bestehender Anlagen an. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei es notwendig, „keine Schnellschüsse“ zu wagen, sondern Projekte in Ruhe zu planen.

Jens Braun (AfD) stellte klar, dass eine Zustimmung nur in Betracht käme, wenn für die Stadt keinerlei Kosten entstünden und sämtliche Folgekosten von den Vereinen getragen würden. Sobald das Projekt die Stadtkasse auch nur „einen Euro“ koste, sei dies für ihn nicht akzeptabel.

Anika Lilienthal (FDP) erinnerte daran, dass die Sportvereine einen solchen Antrag nicht eigenständig stellen können und auf die Stadt als Antragsteller angewiesen wären. Aus ihrer Sicht sei es wichtig, dass die Verwaltung „in die Gänge kommt“, wenn Förderfenster sich öffnen.

In der Debatte stellte Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) die zentrale Finanzierungsfrage: Neben einer möglichen Förderung müsse der städtische Anteil von rund 25 Prozent gesichert werden. Gerhard Hinz sprach sich dafür aus, das Thema insgesamt zurückzustellen und umfassender zu planen.

Am Ende folgte die Mehrheit des Rates diesem Kurs. Der Antrag der WGS FreieBurgdorfer auf sofortige Antragstellung für einen Kunstrasenplatz fand mit sechs Ja-Stimmen keine Mehrheit. Damit wird die aktuelle Förderfrist nicht genutzt.

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