Burgdorf

Leidenschaftliche Debatten prägen Burgdorfer Ratssitzung

[BURGDORF]

Leidenschaftliche Debatten haben am gestrigen Donnerstag, 11. Dezember 2025, die letzte Sitzung des Rates in diesem Jahr geprägt: Es wurde um Mehrheiten gerungen um den Neubau von Kita-Plätzen im Ortsteil Otze oder die Installation von Internetübertragungen der Ratssitzungen. Zudem ist ein neues Ratsmitglied verpflichtet worden.

Sinja Münzberg ist neues Ratsmitglied

Malte Müller von den Bündnisgrünen hatte in der Novembersitzung des Rates den Verzicht seines Ratsmandats vorgenommen, dafür ist gestern Sinja Münzberg vom Bürgermeister förmlich verpflichtet worden.

Sinja Münzberg wird von Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn als neues Ratsmitglied begrüßt.

Kita in Otze kommt

Ein Streitpunkt dieser dreieinhalbstündigen Ratssitzung war der Neubau einer dreigruppigen Kindertagesstätte im Ortsteil Otze. Die Stadtverwaltung hatte den Antrag eingebracht, diese am Kappellenweg zu bauen – obwohl der Otze Ortsrat das abgelehnt hatte. Dagegen sprachen sich die Mitglieder des Ratsausschusses für Jugendhilfe und Familie für diesen Bau an dieser Stelle aus. Die Fraktion WGS FreieBurgdorfer sprach sich gegen diesen Standort aus, auch aus der CDU-Fraktion gab es dafür keine Zustimmung. Aus der Gruppe SPD/Bündnisgrüne wurde dagegen Zustimmung signalisiert. Dr. Volkhard Klever (WGS FreieBurgdorfer) sagte unmissverständlich, dass seine Fraktion den Ort für falsch halte und den Antrag deshalb ablehne. Sein Fraktionskollege Rüdiger Nijenhof brachte als Alternative die Sylter Straße in der Kernstadt ins Gespräch. Zustimmung vom Rat forderte dagegen Christiane Gersemann (SPD) ein: „Burgdorf hat, hauptsächlich in den Ortsteilen, zu wenig Kitaplätze. Gute Kitas in ausreichender Zahl sind unverzichtbar.“ Joachim Höfner (CDU), Ratsherr aus Otze, lehnte dagegen den Sandort am Kapellenweg ebenso ab, wie sein Fraktionskollege Klaus Köneke. Für den Standort sprach sich Anika Lilienthal (FDP) aus, der parteilose Michael Fleischmann votierte dagegen. „Wenn der Ortsrat sagt, wir wollen diesen Standort nicht, dann sollte dort auch nicht gebaut werden.“ Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf) stimmte für den Bau der Kita. Bürgermeister Armin Pollehn machte deutlich, dass er sich enthalten werde. „Es ist eine der schwierigsten Situationen, die ich in Burgdorf erlebe. Der Ortsrat hat gegen diesen Standort gestimmt. Zum Für und Wider kann ich nichts sagen.“ Bei der Abstimmung votierten 17 Ratsmitglieder für den Standort Kapellenweg, 12 sprachen sich dagegen aus. Dazu die eine Enthaltung vom Bürgermeister.

Fraktion Freigeist Burgdorf startet

Neu formiert hat sich zudem nun zum 1. Dezember 2025 auch offiziell die Fraktion Freigeist Burgdorf bestehend aus Mario Gawlik und Dr. Karl-Heinz Vehling, die zuvor für die FDP im Stadtrat saßen. Hierdurch kam es zu einer anderen Sitzverteilung im Verwaltungsausschuss, deren Plätze gestern neu besetzt wurden.

Dem Verwaltungsausschuss (VA) des Rates gehören nunmehr Gerald Hinz, Andrea Buhndorf, Gabriele Voß, Christiane Gersemann, Simone Heller, Jörgen Wendt (Gruppe SPD/Grüne), Joachim Höfner, Tanja Kicza, Oliver Sieke (alle CDU) sowie der gestern Abend durch Losverfahren ermittelte Cord-Heinrich Schweer (CDU) an. Die Ratsvorsitzende zog die CDU aus dem Lostopf, die Fraktion WSG FreieBurgdorfer ging leer aus. Über ein Grundmandat verfügen im VA zudem Mario Gawlik (Freigeist Burgdorf), Dr. Volkshard Kaever (WGS FreieBurgdorfer) und Jens Braun (AfD).

Antrag zur Internetübertragung von Ratssitzungen scheitert

Die Fraktion WGS FreieBurgdorfer hat beantragt, öffentliche Ratssitzungen künftig live im Internet zu übertragen. Fraktionschef Rüdiger Nijenhof begründete den Vorstoß mit mehr Transparenz und Bürgernähe und sagte, Burgdorf dürfe „nicht hinterherhinken“. Wäre die heutige Sitzung übertragen worden, „hätten etliche mehr Zuschauer“ diese verfolgt, zudem gebe es für viele Hürden, persönlich zu erscheinen.

In der Debatte kündigte Michael Fleischmann an, den Antrag mitzutragen, und betonte: „Ein kommunaler Stadtrat muss sich in die Karten schauen lassen.“ Auch Anika Lilienthal hielt den Antrag für „sinnvoll im Sinne der Transparenz“ und verwies auf Politikverdrossenheit, der man „entgegen kommen“ müsse. Skepsis kam von Mario Gawlik, der sagte: „Transparenz herrscht hier“, man müsse nicht „allem hinterherlaufen“ und solle es nicht deswegen tun, „weil andere es tun“.

Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) stellte sich trotz Ablehnung in den eigenen Reihen hinter den Antrag. Seine Meinung habe sich nicht verändert, und er verwies darauf, dass selbst Uetze den Versuch unternommen habe und anschließend auswerten will: „Sie haben meine Stimme, auch gegen die Stimmen meiner Fraktion.“ Am Ende wurde der Antrag abgelehnt, bei 6 Ja-Stimmen, 4 Enthaltungen und 20 Nein-Stimmen.

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