Florian Bethmann bleibt Ortsbrandmeister in Burgdorf
Foto: Bastian Kroll
Mit stehendem Applaus hat der Rat der Stadt Burgdorf am Donnerstag, 11. Dezember 2025, Florian Otto Bethmann als Ortsbrandmeister der Kernstadt eingesetzt. Er erhielt seine Ernennungsurkunde für weitere sechs Jahre, die Amtszeit endet am 31. Dezember 2031. Er tritt damit nach 12 Jahren im Amt seine dritte Amtszeit an.
Der Weg zu dieser Entscheidung war im Vorfeld alles andere als gewöhnlich. Bereits in der Sitzung des Feuerschutzausschusses (wir berichteten) hatten rund 80 Besucher – darunter mehr als 40 Mitglieder der Ortsfeuerwehr – die Beratungen verfolgt, als der Tagesordnungspunkt zur Ernennung des Ortsbrandmeisters überraschend in den nichtöffentlichen Teil verlegt wurde – sehr zum Verdruss vieler Feuerwehrleute. Am gestrigen Donnerstag war die Ortsfeuerwehr erneut in großer Zahl im Ratssaal vertreten – mit anderen Besuchern zusammen waren es mehr als 100 Zuschauer – und zeigte damit sichtbar Geschlossenheit hinter ihrem Ortsbrandmeister.
In der Sitzung machten die Redebeiträge der Fraktionen deutlich, dass die Wertschätzung für das Ehrenamt in der Feuerwehr und für die Arbeit Bethmanns fraktionsübergreifend groß ist, zugleich aber auch Konflikte und Kommunikationsprobleme der vergangenen Monate aufgearbeitet werden müssen. Rüdiger Nijenhof (WGS Freie Burgdorfer) stellte die Bedeutung des Ehrenamts in den Mittelpunkt und betonte, die Feuerwehr laufe dorthin, wo andere wegliefen, und sei aus dem Schutz der Bevölkerung nicht wegzudenken. Zugleich erinnerte er daran, dass die Aufgaben eines Ortsbrandmeisters längst weit über ein Hobby hinausgingen. Die Dienstanweisung sei alt, die Anforderungen hätten sich aber enorm erhöht. Er sprach von einer Tätigkeit, die fast an eine hauptamtliche Aufgabe heranreiche, mit Einsätzen beinahe an jedem Tag, Aus- und Fortbildung, Motivation der Mannschaft und Einsatzleitung. „Das ist fast wie ein Zirkusdompteuer“, so Nijenhof augenzwinkernd. Für diese 12 Jahre an der Spitze der Ortsfeuerwehr und die Bereitschaft, weitere sechs Jahre Verantwortung zu übernehmen, zollte er Bethmann ausdrücklich Dank. Die in der Beschlussvorlage formulierte Begründung trage seine Fraktion jedoch nicht mit, weil sie nicht ausreichend deutlich mache, wie dankbar die Stadt für die Männer und Frauen der Feuerwehr sei und weil sie aus seiner Sicht die Wehr unter Generalverdacht stelle. Ein Neuanfang müsse von allen Seiten kommen, dürfe aber nicht auf dem Rücken eines Einzelnen ausgetragen werden.
Auch aus den anderen Fraktionen kamen klare Signale der Unterstützung. Beate Neitzel (CDU) erinnerte daran, dass die Personalie im Feuerschutzausschuss positiv behandelt worden sei und ihre Fraktion die Ernennung uneingeschränkt empfehle. Auch Anika Lilienthal (FDP) kündigte an, Bethmann ihre Stimme zu geben. Das Ehrenamt müsse geschätzt werden, der große Rückhalt der Kameraden und Kameradinnen im Saal sei dafür ein sichtbares Zeichen.
Oliver Sieke (CDU) unterstrich, dass es aus seiner Sicht nur ein klares Votum der Zustimmung geben könne. Er verwies auf die enge Verbindung Bethmanns zur Burgdorfer Feuerwehr, die weit über den Einsatzdienst hinausreiche – von der Begrüßung von Kindergartenkindern bis hin zur frühen Identifikation des Nachwuchses mit der Wehr. Bethmann ist der Repräsentant der Ortsfeuerwehr, an dessen Engagement nie ernsthaft zu zweifeln gewesen sei. Seine offenen Worte passten nicht immer jedem, seien aber stets von dem Ziel getragen, die Bedingungen für die Feuerwehr in Burgdorf zu verbessern, damit die Bürger ein möglichst sicheres Zuhause hätten, wenn doch einmal etwas passiere. Das eigentliche Problem sei nicht von Feuerwehr oder Verwaltung allein verursacht worden, sondern über längere Zeit verschleppt worden. Von jemandem, der sich im strömenden Regen in die erste Reihe stelle, um mit hydraulischem Gerät eine Leiche aus einem Auto zu befreien, dürfe man auch deutliche Worte erwarten.
Michael Fleischmann (parteilos) äußerte deutliche Kritik an der schriftlichen Begründung der Vorlage, in der er einen Satz als Ausdruck von Misstrauen gegenüber Bethmann verstand, welcher nach Angaben von Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) allerdings eine übliche Formulierung sei. Fleischmann erinnerte daran, dass Florian Bethmann bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung (wir berichteten) in Ungnade gefallen sei, weil er klare Worte gewählt habe, und verband seine Unterstützung mit der Bitte, auch künftig Missstände offen anzusprechen, um die Feuerwehr in Burgdorf weiter zu verbessern.
Auch aus den Reihen von SPD, Grünen und AfD wurde die Notwendigkeit einer besseren Kommunikation zwischen Feuerwehr und Stadtverwaltung betont. Jens Braun (AfD) wünschte sich eine sichtbare Verbesserung im Miteinander. Björn Sund (SPD) fasste zusammen, es gehe nur gemeinsam und nicht gegeneinander, und Jörgen Wendt (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einem „suboptimalen“ Verlauf der Auseinandersetzung. Er verwies darauf, dass in Feuerwehrhäusern oder Fußballkabinen eben ein robusterer Umgangston herrsche und eine frühere Mediation viele Missverständnisse hätte ausräumen können.
Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) stellte klar, dass der Dank an die Feuerwehr bei niemandem infrage stehe und dieser regelmäßig von ihm bei Jahreshauptversammlungen ausgesprochen werde. Die Ereignisse rund um die Jahreshauptversammlung seien ein Auslöser gewesen, auf den weitere, teilweise schwer nachvollziehbare Entwicklungen gefolgt seien. Es gehe nicht darum, der Feuerwehr einen Maulkorb zu verpassen. „Vielmehr erwarte ich ausdrücklich, dass mir offen gesagt wird, wo in den Ortsfeuerwehren der Schuh drückt“, so Pollehn. Sein Ziel sei eine gemeinsame Linie, bei der der Feuerschutzausschuss die notwendigen Mittel zur Verfügung stelle und Verwaltung und Feuerwehr an einem Strang zögen. Der Verwaltungsausschuss habe die Ernennung Bethmanns einstimmig empfohlen.
Am Ende stimmte der Rat geschlossen für die Ernennung von Florian Otto Bethmann zum Ortsbrandmeister bis zum 31. Dezember 2031. Nach der Abstimmung erfolgte stehender Applaus der Anwesenden – Ratsmitglieder wie auch Besucher. Erster Gratulant nach der Abstimmung war Ehrenstadtbrandmeister Alfred Brönnemann. Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer war urlaubsbedingt nicht anwesend.
In seinem kurzen Dankeswort sprach Bethmann von einem „verdammt anstrengenden Monat“, den er ohne die Unterstützung seiner Familie und seiner „blauen Familie“ in der Feuerwehr nicht bewältigt hätte. „Ich führe die Ortsfeuerwehr zwar an, sie besteht aber aus denen da hinten“, zeigte Bethmann sichtlich gerührt auf die aktiven Einsatzkräfte in den Besucherrängen. Im Feuerwehrhaus gab Bethmann im Anschluss als Zeichen des Dankes noch eine Runde aus – ein kleiner Moment der Erleichterung nach turbulenten Wochen und zugleich ein Auftakt für eine Amtszeit, in der Verwaltung, Politik und Feuerwehr den angekündigten Neuanfang gemeinsam gestalten wollen.






















