Burgdorf

Sichere Querung an der L 311: Ausschuss nimmt Sorgen aus Sorgensen ernst

[SORGENSEN]

Im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr stand erneut die Verkehrssituation an der Landesstraße (L) 311 bei Sorgensen im Mittelpunkt. Im Fokus waren die Querung der L 311 im Kreuzungsbereich Hauptstraße, Plantagenweg und Schwarzer Berg sowie die Forderung nach besseren Sicherungen für Fußgänger und Radfahrer, insbesondere für Schulkinder, die zur Rudolf-Bembenek-Gesamtschule unterwegs sind. Die Schule liegt westlich von Sorgensen und wird von vielen Kindern und Jugendlichen mit dem Fahrrad über den Mühlenweg erreicht, auch wenn dieser offiziell nur als Wirtschaftsweg gilt und nicht als Schulweg ausgewiesen ist.

Die stellvertretende Leiterin des Tiefbauamtes, Stefanie Riessler, machte deutlich, dass der Spielraum der Stadt begrenzt ist. Grundlage der aktuellen Bewertung sind Verkehrszählungen und eine fachliche Stellungnahme der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Bei einer Zählung am 14. Mai 2025 zwischen 7 und 8 Uhr querten nach ihren Angaben 17 Personen die Hauptstraße, darunter 11 Kinder. Diese Zahlen liegen deutlich unter den Schwellenwerten, ab denen eine Bedarfsampel oder andere Schutzeinrichtungen in Betracht gezogen werden, gab sie bekannt. Zugleich verwies sie darauf, dass auf der Nordseite der Straße kein Gehweg vorhanden sei und der Mühlenweg derzeit offiziell nicht als Schulweg gelte. Auch gebe es keinen Fußweg zwischen Schwarzer Berg und Mühlenweg.

In der Nähe gebe es jedoch einen alten, parallel zur Hauptstraße verlaufenden Wegeabschnitt von der Kreisbahnstraße bis zum Mühlenweg, dessen Nutzung für den Radverkehr aktuell fachlich geprüft werde. Diese Variante werde von den Fachleuten als mögliche Entlastungslösung weiterverfolgt. Da die Landesstraßenbaubehörde am Ende über Maßnahmen und deren Finanzierung entscheide, könne die Stadt nur in diesem Rahmen agieren. Erteile die Landesbehörde kein grünes Licht, sei eine Umsetzung nicht möglich, bei einer Genehmigung könne die Stadt aber auch eigene Mittel einbringen.

Mehrere Ausschussmitglieder und Zuhörer machten deutlich, dass sie diese formale Sicht allein nicht für ausreichend halten. Rüdiger Nijenhof (WGS FreieBurgdorfer) erinnerte daran, dass die Kinder den Weg faktisch nutzten, auch wenn er rechtlich nicht als Schulweg eingestuft sei. Er verwies eingangs kritisch auf die Abgabe der Verkehrsbehörde an die Region Hannover und stellte die Frage, wie viel Ärger man sich dadurch jetzt eingehandelt habe.

Die Verwaltung stellte klar, dass sie es ausdrücklich begrüße, wenn Kinder nicht mit dem Auto gebracht würden. Dieses Verhalten sei „förderungswürdig und unterstützenswert“, so Stefanie Riessler. Man wolle deshalb weiter prüfen, zunächst die formalen Voraussetzungen schaffen und dann, sofern eine Genehmigungsfähigkeit bestehe und die Finanzierung gesichert werde, die Situation verbessern.

Björn Sund (SPD) betonte, sein Frust solle nicht die Stadtverwaltung treffen, machte aber deutlich, dass es für ihn zunehmend schwer nachvollziehbar sei, wenn immer wieder als Antwort komme, etwas gehe nicht. Mit Blick auf Entscheidungen der Verkehrsbehörde in der Marktstraße und in Heeßel sagte er, dass ihm dort das Verständnis fehle. In Sorgensen handele es sich zwar nicht um einen „Unfallhotspot“, doch wer die Kurve kenne, wisse, dass man froh sei, heil über die Straße gekommen zu sein. Sund sprach sich dafür aus, den Bereich in die Schulwegeplanung aufzunehmen und zu prüfen, wie die Stadt aus eigenen Mitteln zur Verbesserung beitragen könne. Aus seiner Sicht sei eine Querungshilfe oder sogar eine Ampel dringend angezeigt.

Das beratende Ausschussmitglied Lutz Wackermann wies darauf hin, dass eine Querungshilfe nicht zwingend eine Ampel sein müsse. Auch eine Mittelinsel könne den Übergang deutlich sicherer machen, zumal eine solche beim Ausbau der Straße nicht eingeplant worden war, was einen noch zu behebenden Mangel darstellen könne. Zugleich erinnerte er daran, dass dadurch der westliche und nördliche Radweg entlang der L 311 derzeit im Wesentlichen nur für das Neubaugebiet sinnvoll erreichbar sei, solange es in Sorgensen keine weitere Querung gebe.

Eine Bürgerin schilderte die Lage aus Sicht der Anwohnenden. Sie verwies darauf, dass der Verkehr durch die Arbeiten zur Kalihaldenabdeckung in Wathlingen deutlich zunehme. Von bis zu 200 Lastwagen am Tag mit Material die Rede. Die Querung werde damit für Schulkinder, Erwachsene und Senioren noch gefährlicher. Sie sprach von einem „Spießrutenlauf“, um über die Straße zu kommen, und machte deutlich, dass alle drei Ortsteile Dachtmissen, Sorgensen und Weferlingsen betroffen seien. Viele Kinder würden die Straße nur deshalb nicht häufiger queren, weil Eltern dies ausdrücklich untersagten, wurde weiter argumentiert.

Die Verwaltung stellte noch einmal klar, dass bauliche Änderungen an der Landesstraße die kommunale Zuständigkeit übersteigen. Die formalen Kriterien der zuständigen Behörden seien ausschlaggebend, die Stadt könne nur darauf hinwirken. Zugleich wurde vereinbart, dass die offenen Fragen und Anregungen gebündelt an die Verwaltung geschickt werden. Auf Vorschlag von Björn Sund soll der Ausschuss die Antworten in einer Mitteilungsvorlage in einer der nächsten Sitzungen erhalten.

Bürgermeister Armin Pollehn verwies auf den zusätzlichen Einfluss der Kali-Transporte, die die Verkehrssituation spürbar veränderten. Es handele sich um ein Thema, das der Verwaltung sehr wohl bewusst sei. Er kündigte an, das Anliegen zum Anlass zu nehmen, mit K+S über mögliche Beteiligungen zu sprechen. Nach seinen Angaben gibt es Vereinbarungen, wonach das Unternehmen Kosten für Verkehrssicherungsmaßnahmen in betroffenen Ortschaften übernehmen kann. Man könne K+S die Strecken zwar nicht vorschreiben, da die Straßen dafür ausgelegt seien, wohl aber mit konkreten Vorschlägen auf das Unternehmen zugehen.

Die Stadt will nun parallel die formalen Voraussetzungen mit der Landesstraßenbaubehörde klären, die verkehrliche Situation mit den aktuellen Zahlen und den Fachstellungen weiter aufbereiten und das Gespräch mit K+S suchen. Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die die Querung der Landesstraße für Fußgänger und Radfahrer spürbar sicherer macht.

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