Wohnbebauung auf früheren Industrieflächen in Isernhagen: Bürgerinitiative fordert Transparenz zu möglichen Altlasten
Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Isernhagen“ fordert von Politik und Verwaltung eine umfassende und nachvollziehbare Aufklärung über mögliche Altlasten auf zwei früher industriell genutzten Flächen an der Bahnhofstraße in Isernhagen H.B. Sowohl das ehemalige Ronski-Gelände als auch das Bode-Gelände sollen zu neuen Wohngebieten entwickelt werden. Nach Einschätzung der Initiative müssen vor weiteren Planungsschritten alle relevanten Informationen zu Boden- und Grundwasserbelastungen öffentlich gemacht werden.
Die beiden Areale waren über Jahrzehnte gewerblich genutzt, unter anderem als Sägewerk, Holzimprägnierwerk und Färberei. Solche Nutzungen gelten im Boden- und Grundwasserschutz als potenziell altlastenverdächtig. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen neue Wohnungen – im Gegenteil. Aber wer auf ehemaligen Industrieflächen Wohngebiete plant, muss klar sagen, was im Boden ist, was untersucht wurde und wie saniert wird“, heißt es von Seiten der Bürgerinitiative. Familien müssten sich darauf verlassen können, dass alle Vorsorge getroffen wurde, bevor dort gewohnt und gebaut werde.
Für die Sitzungen des Planungs-, Bau- und Liegenschaftsausschusses am Mittwoch, 26. November 2025, und des Umwelt-, Klimaschutz- und Mobilitätsausschusses am Donnerstag, 27. November, hat die Initiative einen umfangreichen Fragenkatalog eingereicht. Darin geht es unter anderem um die Einordnung der Flächen im Altlastenkataster, verfügbare Gutachten, mögliche Schadstoffe sowie geplante oder bereits eingeleitete Sanierungsmaßnahmen. Außerdem fordert die Initiative nachvollziehbare Informationen zur Bewertung der Flächen und eine verständliche Aufbereitung für die Öffentlichkeit.
Nach Angaben der Bürgerinitiative stehen Holzimprägnierwerke und Färbereien im besonderen Fokus des Altlastenrechts, da dort Stoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Schwermetalle, Lösemittel oder Farbstoffe in den Boden gelangt sein können. Das bedeute nicht, dass diese Flächen zwangsläufig gesundheitsgefährlich seien, jedoch müssten sie untersucht und bewertet werden, bevor Bebauungspläne weiter vorangetrieben werden. „Wir wissen, dass es Gutachten geben soll – aber Bürgerinnen und Bürger können sich kein eigenes Bild machen, weil diese Unterlagen nicht einfach zugänglich sind“, heißt es aus der Initiative. „Wenn wirklich alles unbedenklich ist, sollte Transparenz kein Problem sein.“
Parallel zu den Einwohnerfragen hat die Initiative eine Informationskampagne gestartet. Ein neu erstellter Flyer mit dem Titel „Wissen wir wirklich, worauf wir bauen?“ wird in der Gemeinde verteilt und soll über Hintergründe informieren sowie dazu anregen, eigene Fragen an Politik und Verwaltung zu stellen.
Die Initiative ruft die Menschen in Isernhagen dazu auf, die Beratungen aufmerksam zu verfolgen und die Möglichkeit zum Dialog zu nutzen. „Es geht nicht nur um zwei Flächen an der Bahnhofstraße. Es geht um die grundsätzliche Frage, wie wir in Isernhagen mit ehemaligen Industriearealen umgehen und wie transparent Entscheidungen sind“, betont die Initiative. Ziel sei es, die Öffentlichkeit frühzeitig einzubinden und verantwortungsvolle Bauplanung zu fördern.


